Mehr Effizienz und Kundennähe

veröffentlicht am 05.04.2026

Die Veranstaltung stand unter dem Titel „Effizienz und Kundennähe mit digitalen Technologien steigern“ und richtete sich insbesondere an Fach- und Führungskräfte in kleinen und mittleren Unternehmen. Im Mittelpunkt standen praxisnahe Anwendungen rund um Building Information Modeling (BIM), Künstliche Intelligenz, Virtual und Augmented Reality sowie digitale Services im industriellen Umfeld. Ergänzt wurden die Vorträge durch eine interaktive Ausstellung, in der Technologien direkt erprobt und mit Expertinnen und Experten diskutiert werden konnten.


Nutzung digitaler Technologien für mehr Effizienz und Kundenähe

Besonders wertvoll war der Abend, weil er Digitalisierung nicht als abstrakten Zukunftsbegriff behandelte, sondern als konkrete Gestaltungsaufgabe für Unternehmen. In seinem Überblick machte unser AFSMI Mitglied Thomas Meiren vom Fraunhofer IAO deutlich, dass viele digitale Technologien zwar nicht neu sind, ihre praktische Relevanz heute aber durch günstige Rechenleistung, bessere Vernetzung, hohe Datenverfügbarkeit und den beschleunigten Wandel stark zunimmt. Gezeigt wurde dabei eine große Bandbreite an Anwendungen – von eher niederschwelligen Lösungen, wie digitalen Endgeräten, kontaktlosem Bezahlen oder Multimedia-Brillen bis hin zu komplexeren Technologien wie Sensorik, KI, virtueller Realität und Servicerobotik.

Gerade für kleine und mittlere Unternehmen war diese Einordnung hilfreich: Digitalisierung beginnt nicht erst beim „großen Wurf“, sondern oft mit konkreten, gut integrierbaren Anwendungen entlang bestehender Prozesse. Das wurde an mehreren Praxisbeispielen sichtbar. Vorgestellt wurden unter anderem sensorgestützte datenbasierte Dienstleistungen, bei denen Maschinenzustände überwacht und neue Geschäftsmodelle wie „Pay per Use“ ermöglicht werden, ebenso wie intelligente Assistenz- und Robotiklösungen, AR-gestützte Unterstützung für Servicetechniker und VR-basierte Schulungen für Wartung und Reparatur. Der Mehrwert liegt dabei nicht allein in technischer Modernisierung, sondern in besserer Servicequalität, höherer Transparenz und effizienteren Abläufen.

Keep the digital Twin Alive

Ein weiterer wichtiger Impuls des Abends kam von Steffen Kappes von FARO. Sein Vortrag „Keep the digital Twin Alive“ zeigte anschaulich, dass der digitale Zwilling weit mehr ist als ein statisches 3D-Modell. Vorgestellt wurde der digitale Zwilling als fortlaufend aktualisiertes virtuelles Abbild eines realen Objekts, Prozesses oder Systems – gespeist etwa aus 3D-Laserscans, 360-Grad-Dokumentationen, Sensordaten und Drohnenaufnahmen. Gerade im Bauwesen und im Gebäudebetrieb ergeben sich daraus handfeste Vorteile: Baufortschritte lassen sich transparent dokumentieren, Soll- und Ist-Zustände in Echtzeit vergleichen, Mängel systematisch erfassen und Informationen für Betrieb, Wartung und spätere Umbauten langfristig sichern. Der entscheidende Punkt ist dabei nicht die Visualisierung allein, sondern die Entstehung eines „Single Point of Truth“, also einer verlässlichen, medienbruchfreien Datenbasis über den gesamten Lebenszyklus hinweg.

Sinn und Unsinn virtueller Welten -was leisten VR, AR, Metaverse & Co. wirklich?

Der Beitrag von Dr.-Ing. Abdulrahman Abdelrazek beschäftigte sich mit VR, AR, Metaverse & Co. Besonders überzeugend war dabei der nüchterne Realitätscheck: Weder sind virtuelle Welten bloß ein Hype ohne Nutzen, noch sind sie automatisch die Lösung für jedes Problem. Vielmehr wurde klar herausgearbeitet, wo der konkrete Mehrwert heute bereits liegt – etwa bei Trainings- und Schulungssimulatoren, bei Fernwartung, zustandsabhängiger Instandhaltung, Shopfloor-Assistenzsystemen, kollaborativem Design oder Anwendungen im Architektur- und Baukontext. Gerade im B2B-Umfeld zählen nicht Schlagworte, sondern belastbare Anwendungsfälle. Das industrielle Metaverse wurde entsprechend nicht als Selbstzweck, sondern als möglicher Rahmen für vernetzte Daten, digitale Assistenz und hybride Serviceprozesse eingeordnet.

Genauso wichtig war aber auch der kritische Blick auf Grenzen und Voraussetzungen. Thematisiert wurden Datenschutzfragen, hohe Hardware- und Implementierungskosten, fehlende Standards, Anforderungen an Konnektivität sowie gesundheitliche und organisatorische Hürden. Diese Einordnung macht den inhaltlichen Mehrwert der Veranstaltung aus: Sie zeigte nicht nur, was technisch möglich ist, sondern auch, unter welchen Bedingungen digitale Technologien tatsächlich wirtschaftlich und sinnvoll eingesetzt werden können. Für Unternehmen ist das eine entscheidende Perspektive, weil erfolgreiche Digitalisierung nicht auf einzelne Tools reduziert werden kann, sondern Strategie, Prozesse, Kompetenzen und Umsetzungsdisziplin erfordert.

Takeaways der Veranstaltung

Aus Sicht des AFSMI-Vorstands Maximilian de Geus wurde an diesem Abend einmal mehr deutlich, wie wichtig der Austausch zwischen Forschung, Technologieanbietern und unternehmerischer Praxis ist. „Unser Mitglied, das Fraunhofer IAO zeigte, wie wissenschaftliche Expertise und anwendungsnahe Demonstratoren zusammenwirken können, um neue Technologien greifbar zu machen.“ Gleichzeitig wurde klar: Wer Effizienz und Kundennähe steigern will, sollte aktuelle Entwicklungen systematisch beobachten, mit Pilotanwendungen praktische Erfahrungen sammeln, erfolgreiche Lösungen konsequent in den Betrieb überführen und veraltete Prozesse anschließend auch wirklich ablösen. Genau diese Handlungsempfehlungen gab das Fraunhofer IAO den Teilnehmenden mit auf den Weg.

Der Unternehmerabend war damit weit mehr als eine reine Informationsveranstaltung. Er bot einen kompakten, praxisnahen Überblick über den Stand digitaler Technologien im Service- und Industrieumfeld – und zugleich eine realistische Orientierung dafür, wie Unternehmen heute mit der Umsetzung beginnen können.

Für den AFSMI war der Besuch von Maximilian de Geus deshalb vor allem eines: ein wertvoller Impulsgeber für die Frage, wie digitale Services künftig noch wirksamer, kundenorientierter und wirtschaftlicher gestaltet werden können.



Autor

Maximilian de Geus, Vorstand und Schatzmeister des AFSMI

 
 

Bilder und Abbildungen

Quelle: ChatGPT, Präsentationen und Fraunhofer IAO am 31.03.2026