Qualifizierung von Mitarbeitern und Digitale Transformation sind 2024 die größten Herausforderungen für KMU

veröffentlicht am 10.03.2024

Ende Februar 2024 wurde vom Kompetenzzentrum Smart Services, Unternehmensvertretern von KMU aus Baden-Württemberg und dem AFSMI der Workshop „Industrienahe und unternehmensnahe Dienstleistungen“ unter Federführung des Fraunhofer IAO durchgeführt. Hierbei wurden aktuelle Entwicklungen im Bereich industrienaher und unternehmensnaher Dienstleistungen diskutiert.

Die Ergebnisse sind nicht repräsentativ, sondern spiegeln die Meinung der 20 Workshopteilnehmerinnen und -teilnehmer wider.


1. Aktuelle Trends

Die Digitalisierung von Abläufen mit einer durchschnittlichen Bewertung von 4,9 (von 5) unangefochten an der Spitze. An zweiter Stelle liegen steigende Anforderungen an IT-Strategie und IT-Sicherheit (4,2).

In der Diskussion zeigte sich, dass diese beiden Trends eng mit dem an dritter Position befindlichen Thema Veränderung von Qualifizierungsanforderungen an die Mitarbeitenden (4,0) zusammenhängen – eine zunehmende Digitalisierung und höhere IT-Anforderungen führen zu einem steigenden Qualifizierungsbedarf in den Betrieben.

Nebenstehende Grafik: Welche aktuellen Trends beobachten Sie in Ihrer Branche?


2. Herausforderungen

Nicht alle Trends führen wohl zu Herausforderungen bzw. Problemen im Unternehmen. Mit einem Durchschnittswert von 4,2 liegen gleich vier Themen an der Spitze der Bewertungen: Die Qualifizierung von Mitarbeitenden, das Finden und Integrieren geeigneter Software/IT-Anwendungen, die Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle für klassische Produkte und digitales Marketing und Vertrieb. Diese Themen weisen eine hohe Übereinstimmung mit den zuvor ermittelten Top-Trends auf.

In der Diskussion im Workshop wurde darauf hingewiesen, dass viele Digitalisierungsanforderungen von Kunden kommen würden. Gerade für technische Dienstleister, die als Zulieferer in der Automobilwirtschaft und im Maschinenbau tätig sind, führe dies zu Personal- und Qualifizierungsbedarf, der oft nur schwer zu stemmen sei.

Nebenstehende Grafik: Was sind aktuell die größten Herausforderungen für Ihr Unternehmen?


3. Unterstützungs- und Förderbedarf

Den größten Unterstützungsbedarf sehen die Betriebe bei der Information und Bewertung neuer Technologien und digitaler Tools (4,2). In der Diskussion wurde darauf hingewiesen, dass hierzu oftmals eigene Kompetenzen nicht vorhanden seien bzw. der Kompetenzaufbau zeit- und kostenintensiv sei. Auch kommerzielle Dienstleister wären bei der Einschätzung zu neuen digitalen Technologien oft wenig hilfreich („man wird schnell über den Tisch gezogen“, „wollen nur ihre eigenen Produkte verkaufen“). Wünschenswert seien vielmehr (hersteller-) neutrale Akteure, die allerdings schwer zu finden seien.

Mit einer Bewertung von 4,0 folgen vier weitere Themen. Mit zusätzliche Förderprogramme zur Grundentwicklung von KMU und zur Umsetzung neuer Ideen wünschen sich die Teilnehmenden zum einen Förderprogramme, die nicht zu spezifisch sind (und somit nur für wenige Betriebe in Frage kommen), sondern ein möglichst breites Themenspektrum abdecken. Zum anderen sollten Förderprogramme die Umsetzung neuer Ideen fördern – gerade KMU sind hier häufig auf Förderung und externe Unterstützung angewiesen. In der Diskussion wurde außerdem gewünscht, dass solche Förderprogramme sehr reaktiv sein und auch neu aufkommende Themen abdecken sollten, da KMU schnelle und unkomplizierte des Workshops Unterstützung benötigten.

Gleichauf in der Bewertung liegen außerdem die Qualifizierungs- und Schulungsangebote (analog und digital) sowie der Austausch zwischen Unternehmen (v.a. zur gemeinsamen Problemlösung). In der Diskussion wurde betont, dass der Trend in den Betrieben zur Nutzung digitaler Qualifizierungsinstrumente (eLearning etc.) ginge und gerade hier Unterstützungsbedarf erforderlich sei.

Nebenstehende Grafik: Welchen Unterstützungsbedarf bzw. Förderbedarf haben Sie?


Fazit

In der abschließenden Diskussion wurde darauf hingewiesen, dass gerade bei kleinen und mittleren Betrieben meist nur wenige Personalressourcen für Verwaltungs- und Querschnittsaufgaben zur Verfügung stünden. Dabei müssten wichtige Herausforderungen wie die Digitalisierung der Prozesse, die IT-Sicherheit und die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und Dienstleistungen gewährleistet werden. Gleichzeitig steigen regulatorische Anforderungen – man benötige unter anderem Beauftragte für Qualität, für Arbeitssicherheit, für Datenschutz und zukünftig verstärkt für Nachhaltigkeitsthemen. In den KMU sei dies kaum noch leistbar.

Es wurde gleichzeitig betont, dass nicht für alle offenen Fragen staatliche Unterstützung und Förderung verlangt werden könne. Themen wie die Weiterentwicklung des eigenen Betriebs, die Entwicklung moderner Leistungsangebote sowie die Erschließung neuer Kundengruppen und Märkte sei eine ureigene unternehmerische Aufgabe. Eine wichtige Option sei hier eine stärkere Kooperation mit anderen Betrieben und die Zusammenarbeit mit Hochschulen und intermediären Einrichtungen, um gemeinsam neue Lösungen zu entwickeln und wertvolle eigene

Ressourcen nicht zu überstrapazieren.

Eine weitere Diskussion bezog sich auf die schulische Bildung. Es wurde kritisiert, dass die MINT-Fähigkeiten bei Schulabgängern zurückgingen und gerade technisch orientierte Betriebe darunter leiden würden. Im Zusammenhang mit Schule und Kinderbetreuung wurde außerdem die Vereinbarkeit von Beruf und Familie

angesprochen. Trotz gesetzlichem Anspruch sei die Ganztagsbetreuung von Kindern nicht sichergestellt und „es bräuchte vielmehr ein bedarfsgerechtes, verlässliches und bezahlbares Kita- und Schul-Betreuungssystem, um in einer Region mit Vollbeschäftigung das größte Fachkräftepotenzial (Frauen) heben zu können“.

Die Ergebnisse wurden an das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg weitergegeben und diesen zur Erweiterung des Unterstützungsangebots des Kompetenzzentrums Smart Services.

Download der Workshopdokumentation „Industrienahe und unternehmensnahe Dienstleistungen“


Über den Autor

Dieter Schönfeld; Vize-Präsident und Vorstand für Bildung und Forschung